Wann ich den Unfollow-Button drücke

Unfollow klingt hart.

Oder?!

Nach Canceln, Abwerten, moralischem Urteil.

Für mich ist es das aber nicht.

Ich entfolge selten impulsiv.

Und fast nie wegen eines einzelnen Posts, eines Fehlers oder einer unpopulären Meinung.

Ich entfolge, wenn sich Muster zeigen.

Und wenn mein Bauch irgendwann leise, aber konstant sagt:

Das fühlt sich doch nicht mehr ehrlich an.

1. Wenn alles immer „das Beste“ ist

Ich verliere Vertrauen, wenn jedes Restaurant, jedes Produkt, jede Reise das „Krasseste“, „Beste“, „Noch nie Dagewesene“ ist.

Nicht, weil Dinge nicht gut sein dürfen.

Sondern weil Begeisterung ohne Maßstab keine Empfehlung ist, sondern Verkauf.

Wenn nichts mehr eingeordnet wird, bleibt nur Lautstärke.

Und Lautstärke ersetzt keine Haltung.

2. Wenn Relatability zur Rolle wird

Nähe ist mir wichtig.

Aber es gibt einen Punkt, an dem Nähe inszeniert wirkt.

Wenn jemand mit Luxus lebt, aber so tut, als wären die eigenen Sorgen identisch mit denen von Menschen, die jeden Monat rechnen müssen, entsteht keine Verbindung.

Sondern ein Bruch.

Das ist keine Ehrlichkeit, das ist eine Rolle.

Und ich folge Menschen, keine Figuren.

3. Wenn Empowerment zur Optimierung wird

Ich entfolge, wenn Body Positivity, Feminismus oder Selbstliebe plötzlich heißen:

„So wirst du die bessere Version von dir.“

Shapewear.

Schönheits-OPs.

Optimierungsdruck mit Empowerment-Label.

Das ist kein Fortschritt.

Das ist Marketing mit gutem Gewissen.

4. Wenn Unabhängigkeit nur ein Image ist

Es gibt einen Unterschied zwischen unabhängig arbeiten

und unabhängig darüber sprechen.

Wenn ständig betont wird, wie kritisch, ehrlich und unabhängig man ist,

das Profil aber ausschließlich aus bezahlten Empfehlungen besteht,

passt etwas nicht zusammen.

Haltung ist nicht das, was man sagt.

Sondern das, was sich über Zeit zeigt.

5. Wenn Kritik zum Entertainment wird

Kritik ist wichtig.

Aber sie ist kein Format.

Ich entfolge, wenn aus jeder Kritik ein öffentlicher Pranger wird.

Wenn Empörung Klicks ersetzen soll.

Wenn „Skandal“ wichtiger ist als Einordnung.

Reichweite ist kein Freifahrtschein für Respektlosigkeit.

6. Wenn Kulturen von oben herab betrachtet werden

Besonders im Reise-Content ziehe ich eine klare Grenze.

„Hier ist alles billig.“

„Das Essen stinkt.“

„Ich verbringe meinen Winter dort, weil es günstiger ist.“

Das ist für mich kein Entdecken.

Das fühlt sich an wie ein Blick von oben herab auf andere Lebensrealitäten.

7. Ich entfolge nicht wegen Fehlern

Das ist mir wichtig zu sagen:

Ich entfolge nicht, weil jemand einmal etwas falsch macht.

Menschen dürfen und sollen (!) widersprüchlich sein.

Lernen.

Sich entwickeln.

Ihre Meinung ändern.

Ich entfolge,

nicht reflektiert,

nicht nachjustiert.

Mein Unfollow ist kein Urteil

Ich glaube nicht an Perfektion.

Aber ich glaube an Konsistenz.

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